Hope

Weihnachten im Jahr 2008. Ein Mann ruft beim Tierschutz an und erzählt: “Hier ist seit mehreren Wochen eine Katze. Sie sitzt immer auf der Fensterbank und will wohl rein, aber das geht nicht, weil wir haben ja schon eine Katze.” Der Tierschutz bittet den Mann diese Katze zu uns zu bringen. Nicht lange danach klingelt es an unserer Haustür und der Anblick der sich uns bietet, als wir in den Transportbehälter blicken, war schrecklich. Ein ca. 5 Jahre junger Kater, völlig dehydriert, sehr stark unterernährt, zu schwach um den Kopf zu heben. Meinem Frauchen fielen die Worte des Mannes am Telefon wieder ein “Hier ist seit mehrern Wochen eine Katze. Sie sitzt immer auf der Fensterbank . . .” dieses Tier ist bestimmt auf keine Fensterbank mehr gekommen.

Wir brachten ihn sofort zum tierärztlichen Notdienst. Die ersten Worte der Tierärztin, als sie den Kater sah, waren “Oh mein Gott!!!”. Sowas hatte selbst sie in ihrer langjährigen Praxiserfahrung noch nicht gesehen. Sie legt einen venösen Zugang für den Tropf und versorgte ihn mit so gut es eben ging. Über Nacht blieb er in der Praxis. Dort fraß er auch zum ersten mal wieder etwas.

Am nächsten Tag, es war der erste Weihnachtsfeiertag, holten wir ihn nach Hause. Er bekam ein warmes Nest unter einer Wärmelampe und es schien als würde er tatsächlich wieder etwas zu Kräften kommen. Er fraß und er versuchte sogar etwas herumzulaufen um seine neue Umgebung zu erkunden. Aber am meisten genoss er es mit seinen neuen Menschen zu kuscheln.

In der Woche zwischen Weihnachten und Neujahr bekam Hope, so hatten wir ihn getauft, starken Durchfall  und wir wußten, er würde es nicht schaffen. Er lag in Anne’s Arm, schaute sie mit seinen großen Augen an und uns kam es vor als würde er einen tiefen Seufzer tun und sagen wollen “ok, ich hab’s herausgefunden, es gibt sie noch, die Menschen die sich kümmern und jetzt kann ich gehen”. Er schlief friedlich in Anne’s Armen ein und bis heute sind wir ziemlich sicher, dass er nur so lange durchgehalten hat um herauszufinden ob es wirklich noch Menschen gibt die nicht wegschauen, denen es nicht egal ist und die sich kümmern.

In all den Jahren, zählte der “Fall” Hope zu den schlimmsten die wir jeh erlebt haben. Die Ignoranz dieser Menschen, die sich über Wochen das Leiden dieses Katers angesehen haben ohne etwas zu unternehmen ist unbegreiflich. Und alles was sie hätten tun müssen, wäre gewesen den Tierschutz sofort anzurufen und nicht erst nach Wochen. Wir leben in einer Zeit in der die Menschen immerzu und überall telefonieren (dem Handy sei dank) aber anscheinend ist es zuviel verlangt den Tierschutz rechtzeitig zu informieren.

Hope hat für immer tiefe Pfotenabdrücke in unserem Leben hinterlassen und heute leben auf unserem Gnadenhof sehr viele behinderte Katzen, Katzen mit ähnlichen Schicksalen. Unser größter Feind ist die Ignoranz der Menschen. Es ist ein endloser Kampf, jeden Tag auf’s Neue, aber wir geben nicht auf. Wir kämpfen, für Hope und alle anderen Katzen die noch dort draussen sind.

Copyright Hinweis: Beide Fotos von Hope wurden uns freundlicherweise vom behandelnden Tierarzt zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns ganz herzlich.

 

^..^ Moin Moin ^..^

Muffin and Friends e.V. ist ein Katzenhospiz sowie eine Pflegeeinrichtung für chronisch Kranke, körperlich- und geistig behinderte sowie totgeweihte Katzen. Hier findest Du Geschichten aus unserem täglichen Leben, von unseren Abenteuern und Wissenswertes für Katzen- und Tierfreunde. Seit 2006 sind wir Pflegestelle für den Tierschutzverein Ammerland. Seit Februar 2012 sind wir ein eigenständiger eingetragener Verein